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28.10.2025
“Digitalisierung muss Standard sein – nicht nur ein Privileg großer Konzerne.”
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Robert Bueninck

Herr Bueninck, Unzer ist der letzte unabhängige Zahlungsdienstleister in Deutschland. Ihr Unternehmen bietet Zahlungs- und Softwarelösungen für etwa 85.000 Händler an, vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen. Wie erleben Sie den deutschen Mittelstand, gerade auch im internationalen Vergleich?

Robert Bueninck: Der deutsche Mittelstand ist unglaublich stark. Ehrlich gesagt, hätte ich als Niederländer nicht gedacht, dass ich das mal so klar sagen würde! Diese Unternehmen haben eine enorme Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit – wenn man ihnen die passenden Rahmenbedingungen bietet.

Gleichzeitig hinkt Deutschland in Sachen Digitalisierung ja bekanntlich hinterher. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Robert Bueninck: Zum einen ist es eine Frage der Strukturen und Prozesse, die oft noch aus analogen Zeiten stammen und sehr bürokratisch sein können. Zum anderen fehlt es manchmal auch am Mut, Neues auszuprobieren und Altes hinter sich zu lassen. Die Pandemie hat aber gezeigt, dass es auch anders geht.

Inwiefern?

Robert Bueninck: Deutschland hat in der Pandemie bewiesen, dass Veränderung möglich ist. Innerhalb weniger Wochen wurde das Bildungssystem digitalisiert, Universitäten und Büros haben auf virtuelle Meetings umgestellt. Der Veränderungsdruck durch die Pandemie war enorm – und hat ungeahnte Kräfte freigesetzt.

Welche Rolle spielt die Politik dabei?

Robert Bueninck: Eine sehr große. Es ist enorm wichtig, dass die Regierung die richtigen Weichen stellt, damit unsere Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Die Bundesregierung gibt derzeit viele Milliarden aus, unter anderem für Rüstung und klassische Infrastruktur. Diese Investitionen sind ohne Zweifel notwendig. Aber die zentrale Frage ist: Wird auch ausreichend in Zukunftstechnologien und die Infrastruktur von morgen investiert?

Und zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Robert Bueninck: Ich bin noch skeptisch. Es fehlt nicht grundsätzlich am Willen der Politik, aber oft an Tempo und Konsequenz bei der Umsetzung. Im Payment-Bereich ist das besonders sichtbar: Deutschland ist eine führende Industrienation, aber beim digitalen Bezahlen spielen wir in der zweiten Liga. Wir reden von Digitalisierung, aber in der Praxis akzeptieren viele Händler weiterhin nur Bargeld oder haben Mindestbeträge für Kartenzahlungen.

Woran liegt das?

Robert Bueninck: Ein Teil liegt daran, dass digitale Zahlungssysteme noch nicht flächendeckend umgesetzt werden. In Ländern wie Schweden, den Niederlanden oder Finnland laufen über 80 Prozent aller Zahlungen digital, in Dänemark sogar 90 Prozent. In Deutschland sind es gerade einmal 42 Prozent.

Warum ist das Ihrer Meinung nach ein Problem?

Robert Bueninck: Weil wir dadurch zurückfallen. Digitale Zahlsysteme sind Grundlage für viele künftige Entwicklungen und Technologien. Sie gehören zur kritischen Infrastruktur. Und derzeit sind insbesondere US-amerikanische Firmen wie Visa, Mastercard, Paypal oder Google und Apple tonangebend. Deshalb ist es entscheidend, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt – sonst bleiben Chancen für Innovation und wirtschaftliches Wachstum ungenutzt, und kleine Unternehmen werden benachteiligt.

Das klingt alles sehr abstrakt.

Robert Bueninck: Stimmt, aber es betrifft uns letztendlich alle. Nehmen wir E-Autos: Wenn sie an der Ladesäule selbst bezahlen sollen, braucht es eine sichere und standardisierte Infrastruktur. Oder denken Sie an neue Geschäftsmodelle durch Künstliche Intelligenz (KI). Wir werden schon bald KI-Agenten erleben, die direkt miteinander Transaktionen abwickeln. Das birgt ein großes Potenzial – vom KI-Agenten, der den günstigsten Flug nach London bucht, bis hin zur Produktionsanlage, die Ersatzteile selbst bestellt.

Bleiben wir beim Bezahlen. CDU und SPD wollen eine Pflicht zur Akzeptanz digitaler Zahlungsmethoden einführen. Wie bewerten Sie diese Pläne?

Robert Bueninck: Wir begrüßen das ausdrücklich. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um Verbraucherinnen und Verbrauchern echte Wahlfreiheit beim Bezahlen zu geben. Heute nutzen schon 98 Prozent der Deutschen digitale Zahlmethoden – ob Karte, Smartphone oder Smartwatch. Trotzdem sehen wir, dass 45 Prozent der Händler Kartenzahlungen erst ab einem Mindestbetrag akzeptieren und 22 Prozent sogar ausschließlich Bargeld verlangen. Das führt dazu, dass viele Kunden ihre Einkäufe abbrechen. Das ist Wirtschaftswachstum, das verloren geht. Hier bringt die Pflicht Klarheit und Fairness – und sie sorgt gleichzeitig für mehr Steuertransparenz, weil jede digitale Zahlung eine nachvollziehbare Datenspur hinterlässt.

Kritiker fürchten, dass gerade kleine Händler durch solche Pflichten belastet werden könnten. Teilen Sie diese Sorge?

Robert Bueninck: Ganz im Gegenteil. Moderne Kassensysteme sind heute leicht zugänglich, kosteneffizient und skalierbar – auch für kleine Betriebe oder Anbieter auf Märkten und Festen. Digitale Zahlungen helfen, Prozesse zu vereinfachen, und sie fördern den fairen Wettbewerb. Außerdem: Wer heute nur Bargeld akzeptiert, riskiert, dass Kundinnen und Kunden weniger Geld ausgeben oder schlicht nicht mehr kommen. Die Digitalisierung ist hier keine Belastung – es geht darum, die Zukunft der Unternehmen zu sichern und dafür zu sorgen, dass kleine Einzelhändler wettbewerbsfähig bleiben.

Was genau macht Unzer in diesem Umfeld – und was unterscheidet Sie von anderen Zahlungsanbietern?

Robert Bueninck: Unsere Vision war von Anfang an, dem Mittelstand maßgeschneiderte, bezahlbare und skalierbare Lösungen zu bieten, um ihnen den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern. Große Konzerne haben eigene IT-Abteilungen und Budgets in Millionenhöhe, um digitale Infrastruktur aufzubauen. Für kleinere Händler ist das allein kaum machbar. Sie brauchen Lösungen, die aus einer Hand kommen, einfach zu bedienen sind und trotzdem alle Kanäle abdecken. Genau da setzen wir an: Wir bieten alle relevanten Zahlungs- und Softwarelösungen aus einer Hand – vom Point-of-Sale mit Kassensoftware über Online-Zahlungen, Rechnungs- und Ratenkauf bis hin zu Inkasso.

Klingt nach einem Baukasten-System…

Robert Bueninck: Stimmt. Unsere Plattform vernetzt Online- und Offline-Handel und bleibt dabei bezahlbar. Der Händler muss nicht verschiedene Anbieter koordinieren, sondern bekommt alles aus einer Hand – von der Kasse im Laden bis zum Onlineshop .Gleichzeitig sorgen wir für einfache Bedienbarkeit und volle Transparenz in einem Dashboard. So wird Digitalisierung machbar und gleichzeitig ein Wettbewerbsvorteil.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Hürde, die der deutsche Mittelstand beim Thema digitales Bezahlen überwinden muss?

Robert Bueninck: Die Angst vor Komplexität. Viele Händler denken, Digitalisierung sei teuer oder kompliziert. Aber das Gegenteil ist oft der Fall. Die Herausforderung ist vor allem die mentale Hürde.

Was ist Ihr abschließender Appell an Politik und Wirtschaft?

Robert Bueninck: Digitalisierung darf kein Privileg großer Konzerne sein, sondern muss der Standard für alle sein. Und sie darf nicht als Bürde gesehen werden, sondern als Chance, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Deutschland kann sich weiterentwickeln, das hat die Pandemie gezeigt. Jetzt braucht es den Mut und die Ausdauer, die Digitalisierung wirklich umfassend anzugehen – als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen an einem Strang ziehen.

Und wie geht es mit Unzer weiter – national wie international?

Robert Bueninck: Unser Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf Deutschland. Hier gibt es noch riesiges Wachstumspotenzial, denn bislang nutzen nur rund drei Prozent der Einzelhändler wirklich Lösungen, die Offline und Online-Kanäle in Echtzeit integrieren. Zum Vergleich: In Ländern wie den USA oder Schweden sind es schon über 30 Prozent. Genau dieses Potenzial wollen wir ausschöpfen. Gleichzeitig planen wir aber auch, unsere Produkte Schritt für Schritt in weiteren Märkten einzuführen. Trotzdem bleibt die Digitalisierung des deutschen Handels für uns das zentrale Thema.

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