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10.09.2024
Von der Geldbörse zum Smartphone – Wie sich das Zahlverhalten in Deutschland verändert
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Robert Bueninck

In Zeiten rascher Digitalisierung und steigender Kundenerwartungen wandelt sich die Art und Weise, wie wir einkaufen und bezahlen. Online- und offline-Welten verschmelzen zunehmend zu einem ganzheitlichen Kauferlebnis, auch als “Unified Commerce” bezeichnet. Veränderte Zahlungsgewohnheiten treiben diesen Wandel.

Wer heutzutage ein Produkt oder eine Dienstleistung kauft, macht das über viele verschiedene Wege – online, mobil, oder vor Ort. Kunden bestellen zuhause vom Sofa aus und holen die Ware im Geschäft ab. Sie informieren sich persönlich, buchen aber später im Netz. Oder sie bezahlen vor Ort, wollen die Ware aber nach Hause liefern lassen. Händler sind daher gezwungen, ihre online- und offline-Vertriebswege miteinander zu vernetzen. „Unified Commerce“ ist das Gebot der Stunde.  

Digitale Wallets werden beliebter  

Mit den veränderten Kaufgewohnheiten gehen neue Bezahlmethoden einher. Insbesondere jüngere Generationen zeigen eine Vorliebe für das Bezahlen mit digitalen Geldbörsen, auch Digital Wallets oder E-Wallets genannt. Das sind Dienste, die elektronische Transaktionen ermöglichen, ohne physisches Bargeld oder eine physische Karte zu verwenden. Zu den bekanntesten digitalen Wallets gehören Apple Pay, Google Wallet (Google Pay), Klarna, Amazon Pay und PayPal.

Technisch gesehen handelt es sich bei Wallets primär um einen Ort, um Karteninformationen sicher zu hinterlegen. Nutzer können ihre Debit- oder Kreditkarte verknüpfen und Zahlungen sowohl online als auch offline am Point-of-Sale (POS) bequem und reibungslos über ihr Smartphone abwickeln. Eine traditionelle Debit- oder Kreditkarte oder eine SEPA-Lastschrift bleibt die Grundlage für diese Zahlungsvorgänge.  

Im Moment konkurrieren die Geldbörsen heftig um die Gunst der Verbraucher und investieren viel, um die bevorzugte Zahlungsmethode zu werden. Eine Anekdote am Rande: Klarna, einer der größten Anbieter von Rechnungskauf, wagt sich jetzt in den Wallet-Bereich.

Wie hoch das Potenzial von Wallets ist, geht aus einer im Mai 2023 veröffentlichten Studie des Handelsforschungsinstituts EHI in Köln hervor. Demnach hat Paypal den Kauf auf Rechnung erstmals als beliebteste Zahlungsmethode überholt. Fast 30 Prozent aller Käufe im Internet werden per Paypal beglichen.  

Barzahlungen nehmen ab, Kartenzahlungen zu

Auch im Laden verschieben sich die Gewohnheiten. Zwar werden noch immer 36,5 % des Gesamtumsatzes im Einzelhandel mit Münzen und Scheinen bezahlt. Doch der Trend geht klar zur Karte. So ist der Anteil von Bargeld am gesamten Transaktionsvolumen binnen vier Jahren deutlich gesunken (von 44,7 % im Jahr 2019 auf 30,7 % im Jahr 2023).

Vor allem bei größeren Beträgen werden Kartenzahlungen bevorzugt. Dabei nutzen Deutsche am liebsten ihre Debitkarte – wie andere Europäer übrigens auch. (Nur in den USA sind Kreditkarten fast gleichauf mit Debitkarten.) Zudem bezahlen immer mehr Menschen auch im Laden mit dem Smartphone oder anderen Geräten, nutzen also mobile Wallets wie ApplePay (von 6 % im Jahr 2019 auf 23 % im Jahr 2023).

Ein digitaler Euro würde den Zahlungsverkehr umkrempeln

Womit wir bei einem Thema sind, um das derzeit kein Artikel zum Zahlungsverhalten herumkommt: der digitale Euro. Wenn es nach dem Wunsch der Europäischen Zentralbank (EZB) geht, könnte der digitale Euro schon bis 2028 Realität werden. Bezahlt würde per Smartphone oder Chipkarte, und Verbraucher könnten Bargeld an Automaten in digitale Euros umtauschen und umgekehrt. Online-Zahlungen mit dem digitalen Euro wären direkt mit dem Bankkonto verknüpft, für Offline-Nutzung müsste vorab Geld auf eine spezielle Geldbörse geladen werden. 

All dies soll Zahlungen einfacher, schneller und sicherer machen und die Autonomie und Währungshoheit des Euroraums stärken. Obendrein könnte ein digitaler Euro – so hofft die EZB – Innovationen hervorbringen. Es wäre beispielsweise denkbar, dass autonome Fahrzeuge selbst tanken oder ein Kühlschrank eigenständig Milch im Supermarkt bestellt und bezahlt.

Ich bin davon überzeugt, dass der Erfolg dieser Initiative weitgehend davon abhängt, wie sehr Verbraucher den digitalen Euro nutzen werden. Das ist der entscheidende Faktor. Dazu muss der digitale Euro kostengünstig, sicher, risikofrei, einfach zu benutzen und bequem sein. Angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Wallets könnten vor allem die letzten beiden Kriterien knifflig sein.

Vetrauen ist der Schlüssel für Wandel

Ein vernetzter Handel, der Komfort, Sicherheit und Auswahl bietet; Uhren und Ringe, die Münzen und Scheine an der Kasse ablösen; ein Kühlschrank, der Essen nachbestellt – die Art und Weise, wie wir in Europa zahlen, ist im Umbruch.

Voraussetzung für diese Entwicklungen ist Vertrauen. Das gilt für Vorhaben wie den digitalen Euro ebenso wie für den kürzlich gestarteten digitalen Bezahldienst Wero oder Initiativen der Europäischen Union zu Echtzeitüberweisungen. Und Vertrauen wiederum hängt stark von Sicherheit ab.

Datensicherheit und Technologie im Fokus

Zu den besten neuen Ideen, um Zahlungen im Netz sicher zu machen, zählen die Scheme-Tokenization, die Multi-Faktor-Authentifizierung und der Einsatz von KI zur besseren Betrugserkennung. Bei der Tokenisierung werden sensible Kartendaten durch einen eindeutigen Code ersetzt, was es Hackern erschwert, Daten zu stehlen. Die Multi-Faktor-Authentifizierung, zum Beispiel mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung, bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene. Auch die KI-basierte Betrugserkennung in Echtzeit macht große Fortschritte und hilft sowohl dabei, Betrug zu erkennen als auch vorbeugend bestimmte Zahlungen abzulehnen.

Im Ladengeschäft geht der Trend hin zu immer automatisierteren Systemen. Biometrische Autorisierungsmethoden wie Fingerabdrücke und Gesichtserkennung könnten physische Zahlungsgeräte in Zukunft überflüssig machen. Traditionelle Kassen werden durch Selbstbedienungskassen ersetzt, die dank Gewichtssensoren oder Bilderkennung selbstständig kassieren. Und Technologien wie die Near-Field-Communication (NFC) oder QR-Code-Zahlungen versprechen, den Bezahlvorgang nicht nur schneller, sondern auch sicherer und komfortabler zu gestalten. Vielleicht werden wir schon bald nicht mehr in Wartschlangen vor der Kasse stehen, weil alles automatisch beim Verlassen des Geschäfts vom Konto abgebucht wird – oder aber weil der Kühlschrank zuhause das übernimmt.

Die Zukunft des Bezahlens

Deutschland gewöhnt sich nur langsam an die Digitalisierung, was sich auch im Zahlungsverkehr zeigt. Umliegende Länder wie meine Heimat Niederlande haben das bargeldlose, kontaktlose Bezahlen schon viel früher eingeführt.

Doch die Pandemie lehrte mich, dass die Deutschen ihr Verhalten sprunghaft ändern können, wenn sie es wollen. Quasi über Nacht war es möglich, ein einzelnes Croissant mit Karte zu bezahlen. Überspitzt gesagt: Ihre Sorge vor Erregern war größer als ihre Abneigung gegen Technologie.  

Inwieweit Covid durch Bargeld tatsächlich übertragen wurde, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist aber: Seit der Pandemie hat sich der Trend zu kontaktlosem Bezahlen in allen Altersgruppen in Deutschland beschleunigt und lässt sich nicht mehr aufhalten. Eine vielversprechende Entwicklung.  

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